Wildnisschule “Hoher Fläming”: Von Feuer machen bis Fallen bauen

Bad Belzig. Das Sommercamp der Wildnisschule „Hoher Fläming“ erfreut sich wachsender Beliebtheit. Bereits zum zweiten Mal in diesem Sommer sind wieder etwa 30 Kinder in Grützdorf zu Gast. Neben der Region kommen diese auch aus dem Berliner Umland, Potsdam und sogar aus Rostock. Einige sind sozusagen „Wiederholungstäter“, andere zum ersten Mal dabei.

Eine Woche lang leben sie nun im Einklang mit der Natur, wohnen in Zelten und lernen Wald und Wiesen mit allem, was darin kreucht und fleucht kennen. Vormittags ist man meist mit den Betreuern unterwegs, nachmittags werden verschiedene Workshops angeboten, welche sich die Kinder aussuchen können. Der erste Tag ist sozusagen der Willkommenstag. Die Zelte werden aufgebaut, meist sind die Eltern noch da, das Gelände wird gecheckt, damit sich jeder zurecht findet. Man lernt sich kennen und die Betreuer erfragen, was die Kinder erleben und auch lernen wollen. Abends sitzt man gemütlich am Lagerfeuer und singt Lieder.

Die Sommercamps stehen unter dem Thema „Scouten“. Ähnlich wie beim Sport, in denen Spieler und Mannschaften beobachtet werden, ist es auch in der Wildnis. Die Kinder lernen, sich in absoluter Stille zu bewegen und heranzuschleichen. Dazu werden sie im Wildniscamp in Gruppen geteilt, geben sich Namen und teilweise auch Zeichen. Meist kommen sie mit vielen abenteuerlichen Geschichten von ihren Ausflügen zurück. Schließlich kann man eine ganze Menge entdecken, wenn man sich auf der Erde bewegt. Neben Krabbeltieren, Käfern und Ameisen nämlich auch Spuren der verschiedensten Tiere.

Auch sind die Gruppen abwechseln für die verschiedenen Aufgaben im Camp zuständig. Neben Feuerholz und Wasser holen gehört auch das Klo putzen dazu. Nach den Ausflügen trifft man sich zu einer großen Runde und erzählt von den Erlebnissen der Vormittagstour. Dazu gehört auch das „Spontanum“. Dazu ruft, meist einer der Betreuer, dieses Wort. Dann haben alle anderen 10 Sekunden Zeit, sich zu verstecken. Anschließend muss der Rufer alle finden, darf sich dabei aber nicht von der Stelle bewegen. Er muss also auf die kleinsten Zeichen und Geräusche achten. Ein Heidenspaß für alle.

Nachmittags werden dann Workshops angeboten. So haben einige, meist Mädchen, am Vortag Brennnessel gepflückt um aus denen kleine Seile zu flechten. Dazu mussten diese geschält und anschließend breit geklopft werden. Erst dann konnten sie die Stiele öffnen, das Innere entfernen und dann flechten. Außerdem hatten die Mädchen ein Herz für die vielen Wespen und retteten diese stets aus den Wasserbehältern. Und bis dahin war noch niemand gestochen worden.

Die zweite Gruppe zog es etwas tiefer in den Wald. Sie wollten Tierfallen bauen. Die Besonderheit, man wollte niemanden einfangen, sondern nur Geräusche erzeugen. Gar nicht so einfach, also wurden erst mal die Vorschläge in den Sand skizziert, ehe man sich für eine Variante entschied.

Derweil suchte die nächste Gruppe Brennholz und Zunder, denn sie versuchten, mit einem sogenannten Feuerbogen Feuer zu machen. Streichhölzer und Feuerzeuge waren tabu, denn Feuer ist für ein Überleben in der Wildnis durchaus wichtig. Nachdem kleine Häufchen dürres Holz auf dem Sandplatz aufgeschichtet waren, musste der Feuerbogen sozusagen gespannt werden, um Reibung erzeugen zu können. Gar nicht so einfach, wie einige feststellten. Aber dazu ist man ja dabei, um auch so etwas zu lernen.

Die nächste Gruppe übte das Bogenschießen. Die Zielscheibe hatten sie sich vorher selbst aus Stroh gebastelt. Und sie trafen gut. „Da müssen wir wohl den Abstand vergrößern“ so Betreuerin Tine Schoenberg schmunzeld.

Während die einen ihre Erfahrungen im Camp sammelten, war Paul Wernicke mit den „erfahreneren“ auf einer ganz besonderen Tour. Man hat sich vorgenommen, einmal Berlin zu umrunden. Das soll möglichst unerkannt passieren. Es werden weder Wege betreten noch eingekauft. Jeder hat einen Rucksack mit dem Nötigsten dabei, Wasser stellen örtlich ansässige Feuerwehren zur Verfügung. So ist man beim Essen zusätzlich darauf angewiesen, was die Natur bietet. Die „Scouts on Tour“ starten immer an dem Punkt, an dem die vorherige Gruppe aufgehört hat. Montag wurden die Teilnehmer verabschiedet, Freitag kamen sie mit vielen interessanten Geschichten zurück und wurden mit einer großen Feier begrüßt.

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