FDP Hoher Fläming: Seniorenkoordinator, Dorfmobil und Stadtguthaben auf dem Programm

Potsdam-Mittelmark. Der Wahlkampf für die anstehenden Kommunalwahlen geht in die letzte Runde. So auch für die Kandidaten der FDP Hoher Fläming. In dieser Woche werden noch einmal Flyer verteilt und Gespräche mit potentiellen Wählern geführt. Denn die Mitglieder wollen im Kreistag einiges bewegen.

Zu den jüngsten Kandidaten gehört Tim Kehrwieder aus Reppinichen. Der 20 jährige studiert derzeit in Halle und ist seit drei Jahren Mitglied der FDP. Er hat sich schon immer politisch engagiert, und das Programm der FDP entspricht seinen Interessen. Für ihn steht die digitale Infrastruktur im Mittelpunkt. Damit hat er sich ausreichend beschäftigt. Frank Habdank ist den meisten gut bekannt. Der 59 jährige betreibt seit 30 Jahren ein Reisebüro in Bad Belzig. Er ist parteilos, steht jedoch auf der Kandidatenliste der FDP. Auch Klaus-Peter Klenke ist schon lange dabei. Zu DDR Zeiten war der Inhaber der Kerzenfabrik in Reetzerhütten Mitglied der NDPD und trat nach der Vereinigung der FDP bei. Bernd Hölder stammt aus Stuttgart. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er dabei, damals als Jungdemokrat in der Jugendorganisation der FDP. Das waren die „wilden“ 68er Jahre. In der Schule unterrichtete ein Lehrer intensiv die Lehren von Marx und Lenin. Bernd Hölder wurde schnell klar, dass es so nicht funktionieren kann. Nach dem Abitur ging er zur Bundeswehr und war in den 90ern für eine kleine Hilfsorganisation in Kroatien und Bosnien tätig, kam über den OSZE auch in den Kosovo. Da war ein Umzug nach Berlin schon aus organisatorischen Gründen die beste Lösung. Aufs Land nach Mörz kam er wegen zweier Hunde, die man ihm mitbrachte. „Die großen Tiere ähneln Herdenschutzhunden. Man kann sie nicht in einer Wohnung halten“, so Bernd Hölder. Die FDP hat in seiner Familie Tradition. Sein Großvater gründete den Vorläufer der FDP, die erste liberale Partei.

Die FDP Hoher Fläming hat kein langes Programm. „Wir wollen etwas tun, was mit zur Verfügung stehenden Mitteln auch zeitnah realisierbar ist“, so Frank Habdank, „was nützt ein Programm mit 15 Punkten, die nicht zu schaffen sind. An unseren aufgestellten Themen können wir dann abgerechnet werden.“ So stehen drei Schwerpunkte auf dem Plan.

  • Im ersten geht es um die Senioren der Region. „Die Dörfer werden leer, wenn wir nicht gegensteuern“, so Habdank. Er hat sich intensiv mit dem sogenannten holländischen Modell, dem selbstbestimmten Wohnen beschäftigt. Das wird in den Niederlanden bereits erfolgreich praktiziert. Dazu soll es nach dem Willen der FDP zukünftig einen Seniorenkoordinator im Kreistag geben. Dieser muss Informationen über die aktuelle Situation zusammen tragen, welche Einrichtungen sind für Senioren prädestiniert, wo gibt es Betreuungsmöglichkeiten, mobile Pflege und Netzwerke. Für viele ältere Menschen ist es schwer, das passende für sich zu finden, aber auch einfach nur zu sagen: ich brauche Hilfe. Deshalb soll der Seniorenkoordinator auch Ansprechpartner sein. Ziel ist, dass die Senioren so lange wie möglich in ihrem angestammten Wohnbereich bleiben können. Denn wie heißt es doch: einen alten Baum verpflanzt man nicht.
  • Zweiter Schwerpunkt ist die Verbesserung der Mobilität auf dem Land. Gerade an Wochenende gibt es keine Möglichkeit, von dort weg zu kommen. Der FDP schwebt ein Dorfmobil vor, welches in einigen Regionen bereits gibt. Dieses kann dann entsprechend gemietet werden. Es gibt zwei Möglichkeiten, dieses anzugliedern. Zum einen über die zuständige Verwaltung, zum anderen über einen Verein. Die FDP favorisiert ersteres. Die ganze Sache könnte mit dem Seniorenkoordinator verbunden werden. Finanziert werden kann das Projekt über Spenden oder wie bereits beim Bürgerbus, dessen Initiative ebenfalls aus den Reihen der FDP kommt, über eine Förderschiene. Es gibt auch bereits einen Softwareanbieter, über den sich die Abrechnung regeln lässt. Der Knackpunkt in der Verwaltung ist dabei jedoch das Handling. „Wir brauchen eine vernünftige Versorgung auf den Dörfern“, schlägt auch Tim Kehrwieder in die Bresche. An 48 Prozent der Tage fährt in den kleineren Orten nichts. Seitens der Verkehrsbetriebe ist in diesem Punkt nicht viel zu erwarten, wie in gemeinsamen Gesprächen deutlich wurde. Mit einem Dorfmobil wäre alles flexibler. Auch das Radwegenetz sollte ausgebaut werden. Viele Senioren würden das Rag durchaus nutzen, haben aber Angst vor dem Verkehr auf den Straßen.
  • Den dritten Schwerpunkt kann man durchaus als Wirtschaftsförderung bezeichnen. Der FDP schwebt ein Stadtguthaben, ein Bonussystem vor. In diesem gewähren beteiligte Firmen Gutscheine, die dann bei allen Beteiligten eingelöst werden können. So könnte man dann zum Beispiel beim Buchen einer Reise bei Frank Habdank einen Eintritt in die Therme bekommen. Dazu soll eine APP für das Smartphone entwickelt werden, aber es soll die Gutscheine auch in Papierform geben.

Aber die FDP Mitglieder haben auch ganz persönliche Anliegen. So möchte sich Bernd Hölder in das Windkraftproblem einschalten. Die neuerlichen Werbeaktionen der Windradfirmen zerschlagen die Bemühungen, die Region touristisch attraktiv zu machen, ist seine Meinung. Dabei fällt ihm jedes Mal an der Autobahn das Schild „Naturpark Hoher Fläming“ auf, welches direkt vor den Windrädern bei Linthe steht. Ein Schildbürgerstreich, findet er. Das sollte zwingend umgesetzt werden. Außerdem will sich Bernd Hölder zum Thema Mieten und Wohnungsbau einbringen. Er ist dafür, mehr Flächen dafür auszuweisen und den sozialen Wohnungsbau zu begünstigen.

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