17. Hoffest in Schmerwitz

Wiesenburg/Mark, Schmerwitz. Ein Fest für alle Sinne war auch in diesem Jahr das Schmerwitzer Hoffest, welches im Rahmen der 25. Brandenburger Landpartie stattfand. Dort ist nicht nur das Gut Schmerwitz selbst, sondern traditionell die ganze Region vertreten. Viele Stände und Aussteller sind seit vielen Jahren dabei und präsentieren so einen zünftigen Handwerker- und Bauernmarkt. „Ich muss einen großen Dank an alle Mitarbeiter und Helfer für ihr Engagement aussprechen“, so Rita Neumann, Geschäftsführerin des Gutes. Sie arbeitet bereits seit 49 Jahren dort. Über 50 Helfer sorgten sich um das Wohl der Gäste.

Es gab etwa 35 Stände auf dem Hof und in den großen Scheunen, die für das Fest hergerichtet wurden. Angefangen von Bogenschießen über Kränze flechten bis hin zu Kunstgewerbe aus der Region. So ist die Handarbeitsgruppe der Volkssolidarität aus Bad Belzig seit vielen Jahren dabei. Natürlich waren auch gutseigene Stände mit ihren Bioprodukten vertreten. So boten Eileen Voß und Jacob Steinrück das Schmerwitzer Ökobier an, im Hofladen konnten die Besucher die verschiedensten Produkte aus eigener Produktion erwerben.

Trotz der großen Hitze am Samstag waren auch da schon alle Plätze in den Scheunen, auf dem Hof und auch im Café besetzt. Dort kann man seinen Kaffee nun auch an der frischen Luft genießen, denn die Außenterrasse ist endlich fertig. Das Scarabäus-Team hatte wieder eine Vielzahl an Kuchen und Torten gebacken. Auch konnten die Gäste in der Töpferei wieder selbst kreativ werden. Besonderes Interesse finden immer wieder die ausgestellten Maschinen und Geräte. Man konnte sich durch den Hühnerstall führen lassen, eine Kremserfahrt durch den Ort genießen und auf einer Fahrt mit Hänger und Traktor die Anbauflächen besichtigen. Das wollte auch Michael Lohnert mit Enkel Hannes. Letzterer interessiert sich sehr für Traktoren, aber hauptsächlich für die leckeren Bratwürste. „Schon deshalb müssen wir herkommen“, schmunzelt Opa Michael. Dieser wollte jedoch auch mehr zum Anbau und vor allem zu den Bioprodukten des Guts wissen.

Ist da wirklich Bio drin, wo Bio draufsteht? Das konnte Nicolas Kusenberg eindeutig bejahen. Er erzählte auf der Rundfahrt einiges über die Arbeit auf dem Gut. Auf Grund strenger Vorschriften für den ökologischen Landbau können sich die Kunden in Schmerwitz sicher sein – es ist wirklich Bio. Derzeit gibt es 10.000 Hühner auf dem Gut. Man ist dabei, einen neuen Hühnerstall zu bauen. Die Tiere haben Ausläufe und einen Wintergarten. Im Moment hat jedes Huhn 4m² zur Verfügung, nach neuen Richtlinien werden es dann 6m² sein. Schon im November soll die erste Herde Hühner im neuen Domizil eingestallt werden. Neben den Hühnern gibt es Schafe und Schweine. Letztere werden zugekauft und auf dem Hof groß gezogen und für die Herstellung von Wurst und anderen Produkten verwendet. Die Schafe werden für die Angebote auf dem Hof gehalten. Etwa 150 Hektar bewirtschaftet das Gut mit einer sechsgliedrigen Fruchtfolge. Es werden 15 verschiedene Feldfrüchte angebaut. Außerdem gibt es Versuchsflächen, um Sorten auf Standortverträglichkeit zu testen. Laut Vorschrift werden auch keine Herbizide ausgebracht. Einzig gegen den Mehltau wird mit einer Schwefellösung erfolgreich angekämpft. Den Schwefel verwenden aber die Pflanzen wiederum als Nährstoff. Aber es gibt auch Nischenprodukte, die angebaut werden. Die Sanddornfläche ist im Moment ein bisschen das Sorgenkind. Schädlinge haben den Sträuchern zugesetzt. Nun müssen sie sich erst wieder erholen. Auch eine Fläche mit Hanf gibt es. Auf die erstaunten Blicke der Anwesenden erklärte Nicolas Kusenberg, dass es eine Züchtung ist, der sämtliche Inhaltsstoffe entzogen wurden.

Besonders für die Kinder war der Streichelzoo interessant. Währen die beiden Kälbchen Max und Moritz Mittagsruhe hielten, ließen sich die Lämmer und Schafe mit Stroh locken. Besonders die Mädchen fanden sich am Stand von Anett Blasche, Inhaberin der Gärtnerei Köhler in Reetzerhütten, ein, um Blumenkränze zu flechten. Außerdem konnten sie an einem Modell das Melken üben. Bei den Landfrauen konnte man Pralinen herstellen. Aber kein Naschwerk, sondern Samenpralinen mit insektenfreundlichen Saatkörnern. Ideal als Geschenk für einen Bauerngarten oder einfach nur, um sie an passender Stelle in die Landschaft zu platzieren. Auch konnte sich jeder sein Samentütchen selbst zusammen stellen.  „Außerdem haben wir eine Volksinitiative ins Leben gerufen“ so Kornelia Hurttig. Unter dem Motto „Mehr als nur ein Summen – Insekten schützen, Kulturlandschaft bewahren“ wurde Unterschriften für einen Landtagsbeschluss gesammelt. Themen in diesem sollen die Einrichtung eines Kulturlandschaftbeirats, einer Koordinierungsstelle für Insektenforschung, die Förderung der Artenvielfalt, die Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln, Vertragsnaturschutz im Dialog und Stoppen des Flächenverlustes sein.

Aber auch das kulturelle kam nicht zu kurz. Neben zünftiger Blasmusik hatten am Sonntagnachmittag auch die Cammer-Tänzer ihren Auftritt. Diese sind inzwischen in der Region gut bekannt und begeistern immer wieder mit ihren Tänzen und Choreografien. Da kann sich auch Rita Neumann das Schunkeln nicht verkneifen.

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