Schlamau: Salon “Gras fressen” in Schlamau

Schlamau. „Salon Gras fressen“ ist schon ein etwas seltsamer Name für eine Kunstgalerie. Aber es gibt sie wirklich in Berlin Zehlendorf. Seit nunmehr fünf Jahren ist sie auch in Schlamau vertreten, immer zum Sommerende auf dem Gehöft von Bernadette Arnaud. Insgesamt 42 Künstler haben ihre Werke im Garten und auf dem Hof präsentiert.

Der Name geht auf den Philosophen Ernst Bloch zurück. Dieser hatte einmal gesagt: Wer von Kunst leben will, muss Gras fressen. Denn wie die Geschichte zeigt, wurden viele Künstler erst nach ihrem Tod bekannt und vor allem gefragt. Zu Lebzeiten führten sie eher ein bescheidenes Leben.

Die Galerie gibt es seit 30 Jahren. Auch Bernadette Arnaud hatte dort ausgestellt und ihre Künstlerkollegen nach Schlamau eingeladen. Diese waren sofort von Ort und Grundstück begeistert und beschlossen, dort eine Ausstellung zu machen. Diese findet nun seit 2016 statt. So entstanden jedes Jahr die verschiedensten Werke der unterschiedlichen Künstler. Einige konnte man im Garten bewundern, andere in der Scheune und im Atelier.

Auch Corona spielte dabei eine Rolle. Nachgewiesen wurde, dass man sich auch durch das Küssen anstecken kann. Also hat Betty Boese die Küsse sozusagen eingeweckt, um sie für später aufzubewahren. Auf einem großen Bettgestell waren die verschiedensten Bilder von Küssen in Gläsern drapiert. Erste Küsse, klebrige Küsse, fragende Küsse, coole Küsse, sehnsüchtige Küsse und viele mehr.

Direkt vor der Scheune stand am vergangenen Wochenende der „Sündenfall“. Dieser wurde jedoch nicht von einem der Berliner Künstler gestaltet, sondern von Dietmar Paul aus Schlamau. Er und Bernadette Arnaud sind seit vielen Jahren Nachbarn und inzwischen Freunde. „Mach Du doch auch mal was“, ging sie auf Dietmar Paul zu. Also legte dieser eine Schlange aus Steinen und bepflanzte ein Gefäß mit Blumen, einem Apfelbäumchen und einer Tomatenpflanze. Letztere trug rote Früchte, denn man ist sich bis heute nicht einig, ob es beim Sündenfall im Paradies wirklich um einen Apfel ging.

Bernadette Arnaud hatte ein Installation aus weißen Hemden, genannt „Creature“,  vorbereitet. Diese hatte sie überall zusammen gesammelt, teilweise über das Internet ersteigert. Sie wurden auf Bügeln angeordnet, aber nicht mit breiten Schultern, sondern herabhängend. „Ich habe versucht, Müdigkeit und Erschöpfung darzustellen“, so Bernadette Arnaud, „aber trotzdem haben die Kleidungsstücke ja irgendwie einmal gelebt.“ Um die Installation auszuprobieren, hatte sie die Hemden zuerst auf den Boden gelegt, nicht glatt, sondern mit Falten. Beim Betrachten kam ihr die spontane Idee, alles auch auf einem Bild festzuhalten. Dort sehen die Hemden aus wie Tänze, auch wenn keine Menschen darin stecken. „Man kann viel hinein interpretieren“, so Bernadette Arnaud.

Auch für das kommende Jahr gibt es schon Ideen. Es soll mehr Land Art, also Naturkunst geben. Bernadette Arnaud liebt diesen Kunststil. Dazu möchte sie gern den Bad Belziger Kunstverein mit ins Boot holen und diesen ansprechen. Auch will sie talentierten Künstlern aus der Region mit dieser Art Ausstellung eine Bühne geben.

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