Wiesenburg: Einschulung für ukrainische Flüchtlingskinder

Wiesenburg. Aufgeregt warteten zehn ukrainische Kinder am vergangenen Montag vor der Wiesenburger Grundschule. Es sollte ihr erster Schultag in Deutschland sein. Friederike Schmidt, Leiterin des Familienzentrums, hatte alles genau vorbereitet.

Sie hatte Schulranzen für alle organisiert. Sie waren mit Turnbeutel, Brotbüchse, Federmappe, Füller und Hausaufgabenheft gefüllt. Eine Wiesenburger Einwohnerin hatte diese Dinge gekauft. Sie hatte überlegt, wohin sie spenden soll und sich dafür entschieden. Zusätzlich gab es für jedes Kind eine kleine Schultüte. Friederike Schmidt hatte sich eingesetzt, dass alle Flüchtlingskinder gleichzeitig in die Schule kommen, damit sie sich nicht so allein fühlen in einem fremden Land. Die jüngeren Kinder gehen noch einmal in die Kita, um dort in der Vorschule schon ein bisschen Deutsch zu lernen.

Als Dank für die Unterstützung bekam Friederike Schmidt einen Blumenstrauß von Slava. „Er kam selbst auf den Gedanken“, sagte Valentina Friedrich. Sie wohnt schon lange in Reetz und stellte sich neben Nastja Humenjuk als Dolmetscherin zur Verfügung.

Schulleiterin Susan Lodge nahm die Kinder in Empfang. „Den heutigen Tag sollen sie noch gemeinsam verbringen, die Schule, den Hort und ihre Klassen kennenlernen“, so Susan Lodge. Alle hatten auch einen gemeinsamen Termin beim Kinderarzt. Die amtsärztliche Untersuchung wird demnächst nachgeholt. Um die Sprachschwierigkeiten so schnell wie möglich zu überwinden, hat das Schulamt eine zusätzliche Stelle bewilligt. Susan Lodge hat auch schon jemanden gefunden. Eine in Bad Belzig lebende Ukrainerin, die deutsch spricht, soll den Kindern helfen. Sobald alle Unterlagen vorliegen, darf sie eingestellt werden. Dann wird geschaut, wie weiter verfahren wird, ob die Kinder gleich in die Klassen kommen oder erst mal in einer kleinen Gruppe unterrichtet werden. Obendrein gibt es schon zweimal pro Woche Deutschkurse für die Eltern an der Schule, die von Cornelia Scholla und Hiltraut Karing geleitet werden.

Für die Kinder war alles sehr aufregend. Während die Eltern ihre Fragen stellen konnten, nahmen sie erst einmal den Inhalt der Schulranzen in Augenschein. Schließlich ging es noch in den Hort, den einige Eltern auch nutzen möchten. Auf dem Schulhof stürmten alle zuerst einmal auf den Spielplatz. Aber auch in den Horträumen fanden sich die Kinder schnell zurecht und probierten das viele Spielzeug aus. So konnten die Eltern in Ruhe alles besprechen. Vor allem ging es darum, wie es mit den Schulbussen läuft. Da bekommen die Kinder Hilfe von den Horterziehern, diese begleiten die Kinder zumindest in der Anfangszeit bis zu ihrem Bus.

Für den zehnjährigen Alexander wurde es dann noch aufregender. Er durfte als erster seine neuen Klassenkameraden kennenlernen. Der etwas schüchterne Junge zauderte erste ein wenig, trotz Mamas Begleitung. Aber in der Klasse gibt es zwei Mädchen, die russisch und ukrainisch sprechen. Das wird ihm sicher helfen, obwohl die ukrainischen Flüchtlinge im Moment auf den Gebrauch der russischen Sprache verzichten. „Aber in dieser Situation ist das doch angebracht und hilfreich“, so Susan Lodge. Und neben Aischa, die aus Tschetschenien kommt, huschte auch Alexander ein Lächeln über das Gesicht.

(Artikelfoto: Die Schüler mit Schulleiterin Susan Lodge)

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