Imker Mario Binte aus Reetz: „Imkern ist ein Job über das ganze Jahr.“

Reetz. Im Garten von Kerstin und Mario Binte summt es. Die 17 Bienenvölker gehen auf Nahrungssuche und haben im Moment durch die Frühjahrsblüte große Auswahl. Wer aber nun denkt, ich lass mal die Bienen die Arbeit machen und ernte dann nur den Honig, der irrt. „Imkern ist ein Job über das ganze Jahr“, sagt Mario Binte. Wenn es ans Honig Schleudern und Abfüllen geht, hilft die ganze Familie mit. Auch die Freundinnen der beiden Söhne packen mit zu. Dazu hat Mario Binte extra einen Schuppen hergerichtet, wo er bequem all seine notwendigen Gerätschaften unter bekommt. „Noch ist es nicht so, dass die Jungs unbedingt imkern wollen“, sagt Mario Binte. Aber sie haben auch schon Schwärme eingefangen. Man dürfe nicht unterschätzen, dass Imkern viel Arbeit bedeutet, so Binte.

Angefangen hat Mario Binte 2016 mit dem Imkern. Sein Schwiegervater ist Hobbyimker und brachte ihm das erste Volk. Zuvor hatte sich Mario Binte viel belesen. Ob es Absicht war, wissen Mario und Kerstin Binte nicht zu sagen. Aber das Volk des Schwiegervaters war sehr bissig und giftig. „Wenn ich den Kasten aufgemacht habe, haben sie sofort losgebrummt“, erinnert sich Mario Binte. Auch jetzt gibt es immer mal wieder einige Bienen, die aggressiv sind. Obwohl Mario Binte sich jetzt ohne Schutzkleidung den Kästen nähert. Für Besucher liegen aber diese Dinge bereit. Jedoch ließ er sich durch das bissige Volk nicht abbringen von seiner Idee. „Aber Papa, wehe Du bringst uns nochmal so eins“, sagte Kerstin Binte zu ihrem Vater, als ihr Mann um ein weiteres Volk bat. Der hatte jedoch etwas Bestimmtes bezweckt, denn wer mit so einem Volk klarkommt, der ist geeignet als Imker. Nach und Nach sammelte Mario Binte seine Erfahrungen, besuchte Lehrgänge und bildete sich weiter. Interessiert hat ihn die Imkerei schon immer. „Irgendwann kam der Rappel, jetzt mach ich es“, schmunzelt er heute.

Schon vor dem Haus sieht man – hier gibt es Honig

Mario Binte stellt fast alles selbst her. Im Winter wird alles vorbereitet. Die Zargen werden gereinigt, das gewonnene Wachs wird in Blöcke gegossen. Daraus entstehen die Mittelwände. So weiß Mario Binte, was in seinem Wachs vorhanden ist.  Um allen Wachs aus den alten Waben zu gewinnen, hat sich Mario Binte einen „Schmelzofen“ zugelegt. Von weitem könnte man meinen, das ist ein Solarpanel. Es sieht fast so aus und auch die Funktionsweise ist ähnlich. Die alten Waben werden eingelegt und der Kasten verschlossen. Die Wärme der Sonne lässt das Wachs in einen Auffangbehälter tropfen. Aus diesem Wachs gießt Mario Binte dann die Blöcke.

Ein selbst gegossener Wachsblock

Solange Erntezeit ist, wird auch geerntet. Die Bienen verdeckeln die Waben, wenn sie voll sind. Ein Zeichen, dass der Honig reif ist. Die vollen Waben werden im Bienenkasten gegen leere ausgetauscht. Dann werden die Waben entdeckelt und geschleudert. Den Honig lässt  Mario Binte durch ein feines Haarsieb laufen und füllt ihn in Eimer ab. Erst wenn es an den Verkauf geht, wird er in Gläser abgefüllt.

Manche Sorten wie Raps und Kastanie werden sofort hart und müssen zum Umfüllen noch einmal erwärmt werden. Robinienhonig bleibt dagegen flüssig. Dazu hat sich Mario Binte ein extra Gerät gebaut. Darin wird der Honig erwärmt und dann in Gläser abgefüllt. Auch die Etiketten sind liebevoll selbst gestaltet. Mario Binte hat auch Stammkundschaft, die jedes Jahr wieder kommt. Im Spätherbst, wenn die Blütezeiten vorbei sind, beginnt Mario Binte zuzufüttern. „Das ist wichtig, denn wir nehmen ja den Bienen die Nahrung mit dem Honig“, erklärt er. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen hat er in diesem Winter vier Völker verloren. Für die Bienen ist ein richtiger Wintereinbruch besser, als wenn es zu mild ist. „Dann fliegen die Bienen, wenn sie es noch gar nicht dürften“, sagt Kerstin Binte. Sie fangen an sich zu vermehren, aber da noch nichts blüht, fehlt das Futter. Die Bienen verhungern.

Die Ernte ist jedes Jahr unterschiedlich und nicht vorhersehbar. Es ist eine gewaltige Leistung, welche die kleinen Tierchen erbringen, bedenkt man, dass eine Biene in ihrem Leben etwa einen Teelöffel Honig produziert. Eine Sommerbiene hat eine Lebensdauer von zwei bis sechs Wochen. Sie arbeitet sich sozusagen hoch. Erst ist sie für Hausarbeiten zuständig, dann wird sie Wächterbiene. Erst ihre letzten Lebenstage verbringt sie als Honigbiene.

Die Winterbienen, das sind die letzten, die schlüpfen, sind zum Wärmen da und leben bis zusieben Monate. Die Bienen brauchen im Winter etwa 22 Grad zum Überleben, zum Schlüpfen brauchen sie bis 35 Grad. Für die Brut ist die Königin verantwortlich. Auf ihrem Hochzeitsflug wird sie von mehreren Drohnen begattet und legt so im Laufe ihres Lebens täglich zirka 2.000 Eier. Die Drohnen werden vor dem Winter bei der sogenannten Drohnenschlacht hinausgeworfen, da sie außer der Befruchtung keine Aufgaben haben. „Sie sind faule Hunde“, schmunzelt der Hobbyimker. Um neue Gene in das Volk zu bringen, kann man auch Königinnen kaufen. Sie werden in einem kleinen Käfig mit „königlichen Geleitbienen“ und etwas Futter in einem gepolsterten Umschlag verschickt. „Es ist schon komisch, wenn man einen Brief bekommt, der summt“, lächelt auch Kerstin Binte. So eine Königin kostet zwischen 25 und 50 Euro. Auch sonst ist die Imkerei sehr kostenintensiv. Ein Turm allein kostet etwa 120 Euro, dazu kommen, je nach Bauart, die Waben für 1,20 pro Stück. Pro Volk muss man mit 100 bis 200 Euro rechnen. Und dann sind da die Kosten für Maschinen, Geräte, Handwerkszeug, Gläser, Etiketten usw. „Und wenn man dann vier Euro für ein Glas Honig verlangt, ziehen manche die Nase kraus“, sagt Mario Binte.

Und Platz für ein neues Volk hat Mario Binte auch schon. Seine Nichte hat einen neuen Bienenkasten bunte bemalt, in den bald ein Volk einziehen soll. Am Eingang zum Grundstück möchte Mario Binte demnächst eine Schaubeute zeigen. Den Hauseingang ziert ein Bienenkorb aus Ton, in so einem wurden früher die Bienen gehalten. Auffallend ist ein mit Waben bemalter Stein, ebenfalls ein Werk von Mario Bintes Nichte. Mario Binte ist offen für alle Interessenten, die sich die Imkerei einmal vor Ort ansehen möchten.

(Artikelfoto: Mario Binte stellt seine Waben selbst her)

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