24. Kreiserntefest

Raben. Den Einstieg in ihre neue Aufgabe hatte sich Christin Helbig bestimmt anders vorgestellt. Sie wird Eveline Vogel als Fachdienstleiterin der Abteilung Wirtschaftsförderung nachfolgen. Diese geht nach vielen Jahren in diesem Bereich in den wohlverdienten Ruhestand. Da bot es sich an, auf dem 24. Kreiserntefest in Raben ihre Nachfolgerin vorzustellen. Und diese musste gleich beweisen, ob sie ein gutes Händchen hat. Die Rädigker Agrargenossenschaft hatte nämlich neben einigen Kälbchen, geführt von Kindern, auch zwei Milchkühe mit auf den Festplatz gebracht. Im Wettbewerb mit dem Niemegker Amtsdirektor Thomas Hemmerling und dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Jens Schreinicke hieß es, in fünf Minuten so viel Milch wie möglich zu melken. Auch wenn die Kühe sich anfangs etwas sträubten, der ganze Trubel hatte sie wohl doch etwas beunruhigt. Immerhin zeigte Jens Schreinicke, dass er durchaus eine Kuh mit der Hand melken könnte, in seinem Eimer befanden sich am Ende 1400 ml Milch. Die Kinder erhielten eine extra angefertigte Medaille.

In seinen Begrüßungsworten würdigte Schreinicke noch einmal die Arbeit der Landwirte. Trotz der Trockenheit konnten die Landwirte zufrieden mit der Ernte von Gerste, Roggen und Raps sein. „Es war nicht so schlimm, wie erwartet“, so Jens Schreinicke. Lediglich bei Mais und Sonnenblumen, machte sich die extreme Trockenheit bemerkbar. Auch wenn sich die Marktpreise gut entwickelt hätten, die gestiegenen Energiekosten fressen den Gewinn sofort wieder auf. Aber Jens Schreinicke schoss auch scharf gegen die Politik. „Besonders die Tierhalter brauchen Planungssicherheit“, sagte er. Immer neue Auflagen machen Ihnen das Leben schwer. Da wisse niemand so recht, wie die Zukunft aussehen wird. Auch verwahrt er sich gegen den Vorwurf, dass der Rückgang der Insekten nur auf die Landwirtschaft geschoben wird. Sie versuchen unter anderem mit Blühstreifen ihren Beitrag zum Insektenschutz zu leisten. Auch die jetzt geplante Vernässung von Moorwiesen haue so manchem Tierhalter die Beine weg. Ebenfalls Thema – nach wie vor-ist der Wolf. Schreinicke sieht die Wolfspopulation, die aus dem östlichen Europa zu uns zurückgekehrt ist, nicht in Gefahr, selbst wenn einige Tiere entnommen werden. Deshalb begrüßt er die Aktivität des Amtes Niemegk, die Bevölkerung zu diesem Thema zu befragen. Ja, Tierhaltung ist teuer, bestätigt auch Florian Schulze, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Rädigke. Der Betrieb möchte über 6 Mio. Euro in einen neuen Kuhstall Inverstieren. Wann sich die Investitionen amortisieren werden, ist ungewiss. Das hängt mehr oder weniger von den Richtlinien der Politik ab. Und vielleicht auch von Gottes Segen, erteilt von Pfarrer Daniel Geißler. Am Nachmittag stellten die Jäger der Region ihre Hunde vor. Die Gäste erfuhren viel über Rassen und welche Hunde für welche Aufgaben geeignet sind – inklusive einiger Vorführungen. Ein großen Highlight waren die Auftritte des Rabener Karnevalsvereins. Der RHDC (Rabener-Halte-Durch-Club) begeisterte jung und alt. Am 11.11. wird es die erste Veranstaltung im Rittersaal der Burg Rabenstein geben. Karten sind auf der Internetseite https://rhdc-raben.de/ erhältlich.

Aber natürlich wurde an diesem Tag auch gefeiert. Der Tag begann mit dem Kreisleistungspflügen. Die Teilnehmer mussten entweder mit Traktor oder mit Pferdegespannen möglichst gerade Furchen ziehen und Abstände einhalten. Da wurde genau nachgemessen. Erfreulich war, dass viele junge Leute teilgenommen haben. So wie der 11jährige Elias Mende aus Hohenwerbig. Er ist auf dem elterlichen Hof praktisch mit dem Traktor aufgewachsen und könnte später in die Fußstapfen seines Vaters treten. Der war auch mächtig stolz auf seinen Sohn. Die ersten drei Plätze erhielten neben einer Urkunde auch ein kleines Preisgeld. Bei den Traktoren gewann Gerhard Willmann. Bei den Pferdepflügern die einzig teilnehmende Frau, Jana Falkenberg aus Pritzerbe.

Neben vielen Ständen einheimischer Produzenten hatten viele Rabener Einwohner ihre Höfe geöffnet. Dort gab es Kaffee, Kuchen und anderes. Vor der Feuerwehr war ein kleiner Trödelmarkt aufgebaut. Auch die kleine, wunderschöne Kirche konnte man besichtigen. Einen Rundgang machte auch Dörte Breidenbach mit Tochter Jette. Sie ist die 18. Flämingkönigin und erschien in einer wunderschönen Festtracht, die auf die Besiedelung der Region durch die Flamen zurückzuführen ist. Tochter Jette erschien noch in einem roten Rock, erst nach der Konfirmation erhalten die Mädchen die Erwachsenentracht.

Im Naturparkzentrum waren die wunderschönen Erntekronen ausgestellt – vier an der Zahl. „Etwa 240 Stunden braucht man für das Binden eine solchen Krone“, erklärt Petra Müller, Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes. In der Regel werden alle vier Getreidesorten verarbeitet, aber auch Öllein. Dafür fuhr man extra nach Klein-Marzehns, um ein paar Pflanzen zu bekommen. Gebunden haben die Kronen die Landfrauen aus Krahne/Reckhan, Golzow und Radewege. Die vierte Krone stammt aus Michelsdorf. Die wurde nur von Männern gebunden und besteht aus neun Bestandteilen, wie neben dem Getreide auch Mohn und Lein.

Mit einem großen Umzug am Sonntag endeten drei Tage voller Freude und Spaß.

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