Niemegker wehren sich gegen medizinischen Notstand

Niemegk. Mehr als 100 Niemegker demonstrierten am vergangenen Monat (11.11.2019) gegen die Schließung der Apotheke und der Arztpraxis am Kirchplatz.

Wie berichtet, schloss die Apotheke in Niemegk im Frühjahr ihre Pforten, im Oktober folgte die Arztpraxis am Kirchplatz diesem schlechten Beispiel. Die Apotheke fand keinen Nachfolger, die letzte verbliebene Ärztin wurde von ihrem Arbeitgeber nach Bad Belzig abgezogen. Da die nunmehr einzige Arztpraxis in Niemegk sowie auch die Praxen in Kropstädt und Straach keine Patienten mehr annehmen, ist ein gravierender Notstand eingetreten.

Öffentliches Bürgergespräch in Niemegk

Demo, Ärztemangel, Apothekenschließung, NiemegHiergegen wandten sich die Demonstranten und forderten die schnellstmögliche Wiedereröffnung sowohl der Apotheke als auch der Praxis am Kirchplatz. Viele der Teilnehmer meldeten sich zu Wort und berichteten von ihren negativen Erfahrungen. Die Demonstration entwickelte sich zu einem öffentlichen Bürgergespräch. Dabei wurde auf die Missstände aufmerksam gemacht, u.a. schilderte ein älterer Herr sehr bewegend – und teilweise mit stockender Stimme – über diese für kranke Menschen wie seine Frau und ihn unzumutbaren Verhältnisse. Alles schwieg betroffen.

Danach stellten verschiedene Demonstranten konkrete Forderungen auf, sie richteten sich an die Landespolitik und die Standesorganisationen Kassenärztliche Vereinigung KVBB und die Landesapothekerkammer, beide in Potsdam. Längerfristige Forderungen waren u.a., dass die Ausbildung von Apothekern in Brandenburg endlich aufgenommen und bedarfsgerecht gestaltet werden muss sowie das Programm der Ausbildung von Landärzten dringend dem tatsächlichen Bedarf nach ausgeweitet werden muss. Zur Erinnerung: Jeder dritte Hausarzt in Brandenburg ist über 60 Jahre alt. Als kurzfristige Maßnahmen wurde u.a. eine „Buschzulage“ für Apotheker und Ärzte gefordert, die sich verpflichten für mehrere Jahre „in der Provinz“ zu arbeiten.

Viel Unterstützung aus der lokalen Politik

Demo, Ärztemangel, Apothekenschließung, NiemegUnterstützt wurden diese Forderungen auch von verschiedenen Vertretern aus Politik und Verwaltung, u.a. von Niemegks Bürgermeister Dr. Linthe, Bürgermeister Frenzel für die Gemeinde Rabenstein/Fläming, Bürgermeisterin für die Gemeinde Planetal sowie Amtsausschussvorsitzende Frau Commichau, der Niemegker Amtsdirektor Thomas Hemmerling, Bürgermeister von Wiesenburg/Mark Marco Beckendorf, Bad Belziger Stadtverordneter Tobias Paul sowie Kreistagsabgeordnete Frau Rabinowitsch aus Wiesenburg.

Allen Teilnehmern war klar, dass von ihnen weitere Schritte folgen werden; einige Vorschläge wurden auch schon dahingehend gemacht.

Nach gut einer Stunde (in sehr kalter Witterung) löste sich die Versammlung dann auf. Wir berichten weiter zu dem Thema.

(Gabi Eissenberger, Garrey / Fotos: Frau Wallich, Niemegk)

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