Naturparkzentrum Hoher Fläming in Raben: Wildbienen – Ein aussterbendes Volk?????

Raben. Dass der Kuckuck seine Eier in fremde Nester legt, ist allgemein bekannt. Aber auch bei Insekten gibt es dieses Phänomen, wie bei den Wildbienen. Fast jede Art hat seine eigene Kuckucksbiene. Das Vorgehen ist analog zu dem der Vögel, die Kuckucksbiene wartet, bis das Nest der Wildbiene unbewacht ist und legt dann dort seine Eier ab. Gestört wird sie dabei nicht, denn im Gegensatz zu Honigbienen und Hummeln leben Wildbienen fast immer solitär, also allein. Das und viele weitere interessante Dinge über die wohl wichtigsten Blütenbestäuber konnten die Gäste zur Eröffnung der Sonderausstellung über Wildbienen gleichzeitig zu den Apfeltagen im Naturparkzentrum Raben erfahren.

Dr. Hannes Petrischak von der Heinz-Sielmann-Stiftung konnte für einen Vortrag gewonnen werden. Darüber freuten sich sowohl Bernd Schade als auch Steffen Bohl. Zumal vor ein paar Wochen noch gar nicht klar war, ob die Veranstaltung überhaupt stattfinden kann. Umso größer ist die Freude jetzt. Die Ausstellung enthält nicht nur Textbausteine und Plakate, sondern neben einem riesigen Wildbienenmodell auch fantastische Makroaufnahmen von Hannes Petrischak.

Wildbiene, Naturparkzentrum Hoher Fläming

Fast 600 Wildbienenarten gibt es in Deutschland, über die Hälfte stehen auf der roten Liste. Die Gründe sind vielfältig. Zum einen verschwindet immer mehr der Lebensraum der Wildbienen, sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Gründe dafür sind die Intensivierung der Landwirtschaft, zunehmende Wohnbebauung und Bodenversiegelung. Besonders Überdüngung und der Einsatz von Pflanzenschutzmittel und Pestiziden sind ein Problem. Dazu muss man wissen, dass viele Wildbienen auf eine bestimmte Pflanzenart spezialisiert sind. Damit sind sie viel wählerischer als die Honigbiene. Verschwindet die Pflanze, verschwindet auch die Biene und mit ihr ihre Kuckucksbiene. Es ist ein nicht aufzuhaltender Kreislauf.

Wohl am häufigsten und auch in den Gärten zu beobachten ist die Gehörnte Mauerbiene. Das wuschelige Etwas sammelt den Pollen an einer Bauchbürste und trägt ihn so von Blüte zu Blüte. Das ist viel effizienter für die Bestäubung von Obst und Gemüse. Um den Mauerbienen den Garten schmackhaft zu machen, kann man ihnen Nisthilfen bauen. Das geht ganz einfach mit Bambusröhrchen. Es gibt aber auch fertige Nisthilfen, sogar mit Klappe, zu kaufen. Dadurch kann man dann auch Nistverhalten und Brut beobachten. Viele Wildbienen nisten in offenen Böden. Oft sieht man auf Wegen und sandigen Ecken kleine Sandhügel. Das ist ein Zeichen, dass sich dort eine Wildbiene eingerichtet hat. Andere sind bei der Nistplatzwahl vornehmer, sie besiedeln leere Schneckenhäuser.

Aber die Wildbienen haben natürlich auch Feinde. Neben den Kuckucksbienen sind das unter anderem verschiedene Käferarten. So ist der schwarz-rot gestreifte Bienenkäfer zwar sehr schön anzusehen, aber er legt seine Eier in das Nest der Wildbiene und vernichtet so deren Brut. Aber auch der Klimawandel hat Auswirkungen auf das Vorkommen von Wildbienen. So sieht man wieder recht häufig die blauschwarze Holzbiene, die eigentlich ein eher tropisch-subtropisches Verbreitungsgebiet hat. Sie hat sich wieder bei uns ausgebreitet, braucht aber Totholz zum Nestbau.

Wildbienen kann man in den Hausgarten locken, wenn man bestimmte Pflanzen kultiviert, wie zum Beispiel Glockenblumen. Auch die Ackerwinde ist sehr beliebt, wie auch Ochsenzunge und Natternkopf. So eine wilde Ecke, in der nicht jeder Schnipsel Unkraut weggehackt wird, kann also durchaus von Vorteil sein. Auch in größeren Maßstäben wird inzwischen gehandelt. So werden Heideflächen gemäht, geplaggt oder geflammt, damit die Heide sich neu aussäen kann und so spezialisierten Wildbienenarten Futter bieten. Gleiches gilt für die Mohnbiene. Sie ist vom Aussterben bedroht. Deshalb sollte unbedingt der Mohn, am besten in Verbindung mit Kornblumen, erhalten werden.

Übrigens vor Stichen braucht man kaum Angst zu haben, Wildbienen stechen von sich aus nie, sie sind nicht aggressiv und flüchten eher. Außer, man nimmt sie in die Hand, das mögen sie nicht. Aber meist haben sie einen so kleinen Stachel, dass dieser kaum die Haut durchdringt. Auch ist das Gift viel weniger stark als das der Honigbiene.

Wer noch mehr über Wildbienen erfahren möchte, sollte sich die Ausstellung unbedingt ansehen. Außerdem gibt es einen sehr interessanten Kosmos Naturführer über Wildbienen.

Aufrufe: 16