Bad Belzig: Wie wirksam war unsere Kunstaktion am 8. Mai 2021?

Bad Belzig. Einige Belziger*innen haben sicher die Berichterstattung in der MAZ verfolgt, andere hören auf diese Weise vielleicht zum ersten Mal davon, dass eine kleine Kunstaktion, die wir als KunstKollektiv BadBelzig am 8. Mai 2021 auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers durchführten, größere Wellen schlug, als wir uns zu erträumen wagten. Ziel der Aktion war es, darauf aufmerksam zu machen, dass in Belzig bis zum damaligen Tag an einem Ort nationalsozialistischen Verbrechens – auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers des KZ Ravensbrück – die Ortsgruppe Bad Belzig des Vereins für Deutsche Schäferhunde e.V. regelmäßig trainierte.

Im folgenden reflektieren wir darüber, was die Aktion bewirkte und wohin der Weg uns noch führen könnte.

Wir freuen uns sehr, dass der Arbeitskreis „Förderkreis Roederhof“ des Vereins Belziger Forum e.V. und die Ortsgruppe Bad Belzig des Vereins für Deutsche Schäferhunde e.V. miteinander ins Gespräch gekommen sind und eine für alle Beteiligten stimmige Lösung gefunden zu haben scheinen und dass diese beinhaltet, dass der ehemalige Appellplatz des KZ-Außenlagers nun nicht mehr als Hundetrainingsplatz genutzt wird.

Wir erkennen an, dass Belzigerinnen und Belziger den ehemaligen KZ-Außenlager-Insassinnen seit 1965 jährlich gedenken und wissen, dass die nun gezeitigte Veränderung letztlich vor allem durch das langjährige Engagement von Menschen wie z.B. Gerhard Dorbritz, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Belzig, und Inge Richter, der langjährigen und aktuellen Vorsitzenden des Förderkreis Roederhof, bewirkt wurde. Unsere Kunstaktion sehen wir vor allem als Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Die Projektarbeiten der Krause-Tschetschog-Oberschule und des Fläming Gymnasiums, wie z.B. das in diesem Jahr begonnene Kunstprojekt “Ort von Steine ohne Grenzen – Straße des Friedens – Straße der Skulpturen in Europa”, nehmen wir als gelungene Möglichkeit wahr junge Menschen für das Thema zu interessieren und sensibilisieren.

Gerne möchten wir weitere Ideen einbringen um die oben geschilderte, bestehende Gedenkkultur und Erinnerungsarbeit zu ergänzen:

Wir würden uns wünschen, dass der Ort weiter naturnah und mit künstlerischen Mitteln zu einem modernen Gedenkort – an dem unterschiedliche Sinne angesprochen werden – weiterentwickelt wird. Derzeit ist es dem Ort – bis auf die Infotafel mit allgemein gehaltenen Informationen, dem Gedenkstein als Mahnmal und der Gedenkstehle in der Lübnitzer Straße – nicht sofort anzusehen, dass ihm die Schicksale von über 750 inhaftierten Frauen für immer eingeschrieben sein werden. Auch seine räumliche Dimension würden wir gerne erfahrbarer machen.

Unserer Vorstellung nach könnte dabei z.B. mit weiteren Markierungen der geografischen Grenze und des Weges der Frauen vom KZ zur Munitionsfabrik gearbeitet werden. Wir würden gerne mehr des – vom „Förderkreis Roederhof“ in mühevoller Arbeit recherchierten und in „Der Roederhof in Belzig (1993)”, sowie den „Schicksale Teil 1 bis 4“-Bänden veröffentlichten – Wissens vor Ort verankern. Auf dem Gelände selbst könnten z.B. Biografien und Hintergründe der Betroffenen, sowie der damalige Alltag, sichtbarer gemacht werden. Wir sehen darin die Chance, dass das Wissen zugänglicher wird und Personen, die den Ort aufsuchen, eine stärkere emotionale Verbindung herstellen können. Um die Zivilcourage der Betrachter*innen zu stärken, wäre es zudem denkbar, Geschichten des heimlichen oder offenen Widerstands gegen das KZ zu erzählen.

Auch die Tatsache, dass seit diesem Jahr der Appellplatz nicht mehr von der Ortsgruppe Belzig des Verein für Deutsche Schäferhunde genutzt wird, ist des Gedenkens und der Reflexion vor Ort würdig.

Das Konzept für den modernen Gedenkort könnte partizipativ entwickelt werden. Eine von vielen Möglichkeiten wäre die Entwicklung in Kooperation mit dem Förderkreis Roederhof, mit Schüler*innen, mit Interessierten und Künstler*innen aus der Region. Eine weitere Idee wäre die Ausschreibung eines Wettbewerb für Engagierte und Künstler*innen aus der Region mit dem Förderkreis Roederhof und den Bad Belziger*innen als Jury.

Wir sind am weiterführenden Austausch zu dem Thema interessiert und freuen uns über Kontaktaufnahme unter kunstkollektivbadbelzig@posteo.de.

Ihr KunstKollektiv Bad Belzig

(Artikelfoto: Bärbel Kraemer, hinzugefügt von “Fläming 365”)

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