Der Weg der Qualen – Gedenkspaziergang der Frauen des KZ-Außenlagers Roederhof

Bad Belzig. Mit unzureichender Kleidung, mit Holzschuhen an den Füßen, die eigentlich nur aus einer Holzschuhsohle und Riemen bestanden, unterernährt und mutlos marschierten hunderte Frauen des KZ-Außenlagers Roederhof sechsmal die Woche zu ihren zwölf-Stunden-Schichten in der drei Kilometer entfernten Munitionsfabrik.

Dort schufteten die ausländischen Häftlinge, um Munition herzustellen, mit der in ihrer Heimat die Menschen getötet wurden. Nach getaner Zwangsarbeit marschierten sie zurück, um eine Wassersuppe zu essen und in kalten Holzbaracken zu schlafen. Nach einer 72-Stunden-Woche durfte sonntags im Waschhaus geduscht werden. Frische Unterwäsche gab es zirka dreimal im Jahr. Erniedrigungen, Schläge und stundenlanges Stehen auf dem Appellplatz waren an der Tagesordnung.

Kurz vor dem Kriegsende 1945 wurden hunderte Frauen vom Roederhof gen Westen verlegt, aber die Schwachen und Kranken wurden zurückgelassen. Von den 72 Frauen, die ihrem Schicksal in der Krankenbaracke überlassen wurden, erlebten nur 63 die Befreiung durch die Rote Armee und das ersehnte Ende des Zweiten Weltkrieges.

Zum Weltfriedenstag am 01. September lud der Förderkreis Roederhof ein, den Weg der Qualen hunderter Frauen nachzugehen und derer zu gedenken. An der Gedenkstätte im Grünen Grund hieß die Vorsitzende Inge Richter die Interessierten willkommen. Sie zeigte Reste der Barackenfundamente und des Waschhauses. Zwischen Efeu und anderem Gewächs ist der Wasseranschluss noch zu sehen. Der Appellplatz, heute eine geschützte Wiese für Heidelerchen, ließ das Grauen erahnen. Die Fantasie der Besucher wurde durch die Schüsse im Hintergrund der Schießsportanlage weiter angeregt.

Der Weg der Qualen führt heute zwischen Wohnhäusern entlang hinein in den Wald. Auf der Hälfte der Strecke befand sich damals ein Forsthaus mit einem Geweih an der Front des Hauses, das ein Symbol der Hoffnung für die weiblichen Häftlinge wurde. Seit 2020 steht vor dem sogenannten Geweihhaus eine Stele zur Erkennung und Erklärung. „Der Eigentümer des Hauses versprach, solange er in diesem Haus lebe, wird das Geweih nicht entfernt werden“, erzählte Inge Richter. Sie legte zum Gedenken Wildblumen auf die Stele.

Der Weg führte weiter in den Wald hinein bis zur ehemaligen Munitionsfabrik. Überwucherte Mauerreste und Steine ließen erahnen, was sich in der Stille des Waldes befand: die tägliche Hölle der Zwangsarbeiterinnen.

(Artikelfoto: Der Appellplatz des Kz-Außenlagers Roederhof ist heute eine geschützte Wiese für Heidelerchen.)

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