Hubertusmesse in Zipsdorf bei Reetz: “Stop – keinen Schritt weiter!”

Zipsdorf. Diesen Satz hört man oft. Viele haben die rote Kelle oder das rote Licht bereits bei einer Verkehrskontrolle erlebt. Dann ist man am Überlegen – was habe ich falsch gemacht. Und der Satz ist aktueller denn je. So kam er immer wieder in der Predigt von Pfarrer Stephan Schönfeld zur Hubertusmesse in Zipsdorf bei Reetz vor, welchen die Jagdhornbläser aus Reetz begleiteten.

Denn ein Stop hatte schon Gott verhängt, wie wir aus der Bibel wissen. Er war erbost über das Verhalten der Menschen, die er geschaffen hatte. Sie bekriegten sich gegenseitig, stahlen, logen und lebten nicht mehr mit der Natur im Einklang.

Jagdhornbläser, Reetz

Was dann passierte, ist allgemein, auch Nichtgläubigen, bekannt. Eine große Flut vernichtete alles Leben auf der Erde. Mit Ausnahme von Noah und seiner Familie. Diese hatte Gott als würdig erachtet, ein neues Menschengeschlecht zu gründen. Dazu musste Noah eine Arche bauen, von jedem Tier ein Pärchen mit auf das Schiff nehmen und 40 Tage darin ausharren. Ob die Geschichte wahr ist oder nicht, lässt sich wissenschaftlich nicht beweisen. Auch nicht, ob die Menschheit daraus gelernt hat. Im Moment ist eher das Gegenteil der Fall. Wir beuten unseren Planeten aus und verursachen eine weltweite Klimakrise. Auch jetzt kann man sagen: Stop – keinen Schritt weiter. Denn Gott, so Pfarrer Schönfeld, hat uns diesen Planeten geschenkt, um ihn für zukünftige Generationen zu bewahren.

Ob der heilige Hubertus es damals auch so empfunden hat? Stop – keinen Schritt weiter? Seine Legende zählt wohl zu den berühmtesten überhaupt. So  geschah es, dass er auf der Jagd  einen weißen Hirsch sah. Zur Verwunderung des leidenschaftlichen Jägers blieb der Hirsch ruhig vor ihm stehen. Schon hatte er den Bogen gespannt, um ihn zu erlegen, da erblickte er zwischen den Geweihstangen des Hirsches ein leuchtendes Kreuz. Betroffen sank Hubertus in die Knie. Jetzt vernahm er eine Stimme, die ihn mahnte, über den Dingen dieser Welt das ewige Leben nicht zu vergessen. Diese Erscheinung beeindruckte Hubertus derart, dass er sich mit ganzer Seele Gott zuwandte. Er verließ den Hof, verzichtete auf seine Ämter, verschenkte sein Vermögen an die Armen und zog sich in die Einsamkeit der Ardennen zurück, wo er eine Zeitlang als Einsiedler lebte. Dann begab er sich zu Bischof Lambert von Maastricht, der den Verwandelten belehrte und zum Priester weihte.

Mit dem Tod des Bischofs wurde er dessen Nachfolger. Als Hubertus sich heftig wehrte, die Würde anzunehmen, erschien ein Engel vom Himmel, der ihn die bischöfliche Stola umlegte, worauf er, den Willen Gottes erkennend, sich  fügte. Mit dieser himmlischen Stola konnte er später als Bischof viele heilen. Der Geweihte zog nach Maastricht zurück, um sein ihm von Gott auferlegtes Amt zu übernehmen. Er waltete als Bischof viele Jahre lang zum Segen des Landes und missionierte vor allem in seinem früheren Jagdgebiet unter großer Mühsal und Anstrengung, denn dort waren zu dieser Zeit die heidnischen Bräuche noch fest verwurzelt. Die Reliquien des heiligen Lambert übertrug er in ein wunderschönes Gotteshaus, das er ihm zu Ehren hatte erbauen lassen. Hubertus verlegte 721 seinen Bischofssitz von Maastricht an diesen Ort, der später den Namen Lüttich erhielt und sich zu einer reichen Stadt entwickelte. Im Jahre 727 holte Gott den rastlosen Missionar viel zu früh zu sich.

Am 3. November wird des heiligen Hubertus mit Gottesdiensten gedacht. In Zipsdorf findet er immer im Freien unter einer alten, unter Naturschutz stehenden, Eiche statt. In diesem Jahr war sie besonders gut besucht, fast 80 Gäste waren gekommen. Das hatte auch die Organisatoren überrascht, so dass die Erbsensuppe, die es traditionell für alle Teilnehmer des Gottesdienstes gibt, eingeteilt werden musste. Aber hungern musste niemand, denn es gab zusätzlich Schmalzstullen, Kuchen und Kaffee. Dafür allen Helfern ein großes Dankeschön.

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