Hass im Netz – was tun?

Bad Belzig. Soziale Medien können durchaus nützlich sein. Man hält Kontakt zu Freunden, findet alte Freunde wieder und neue dazu. Veranstaltungen, aber auch Meinungen verbreiten sich viel schneller als auf konventionellen Wegen und erreichen eine breite Masse. Das ruft aber auch diejenigen auf den Plan, die mit bestimmten Meinungen nicht einverstanden sind und ihrem Unmut lauthals Luft machen – und dass nicht immer sachlich. So kommt es immer häufiger zu Shitstorms und Hasskommentaren, das Netz ist ja so schön anonym. Damit haben besonders Personen zu kämpfen, die auf Grund ihres Jobs oder auch ihrer Einstellung in der Öffentlichkeit stehen. Wie Claudia Sprengel und Julia Schramm. Die beiden Politikerinnen der LINKEN haben viel mit den Auswüchsen und Hass im Netz zu kämpfen. Jedoch lassen sich beide davon nicht abhalten, ihre Meinung öffentlich zu äußern.

Julia Schramm hat jetzt ein Buch veröffentlicht, in dem sie Hasskommentare auf ihren Social Media Accounts zusammengestellt hat und dieses Im Zentrum der AWO am Trollberg am vergangenen Donnerstag vorgestellt.  Und diese gehen mitunter sogar noch tiefer als die Gürtellinie, man könnte sie sogar als Bedrohung auffassen. „Mach den Kopf zu, Frau. Da kommt eh nichts Gescheites bei raus. Nur geistiger Durchfall. Mehr nicht“, gehört dabei noch zu den harmloseren. Sie wird als Hure und Judenschlampe bezeichnet, man wünscht ihr das Schlechteste, was man sich vorstellen kann.

„Wenn man als Frau in der Öffentlichkeit steht, und dazu noch als Politikerin, ist es oft besonders hart“, so Claudia Sprengel, Direktkandidatin der LINKEN zur Landtagswahl in Brandenburg. Aber wie geht man damit um? Lässt man es stehen, löscht man es, liest man es überhaupt oder geht man einfach drüber weg?

Julia Schramm hat ihren ganz eigenen Weg gefunden. Nachdem sei die Sicherheitseinstellungen ihres Accounts auf Facebook geändert hatte, bombardierten sie die Leute über die Nachrichtenfunktion mit ihren Kommentaren. Julia Schramm denkt, dass es bei vielen einfach nur mal Druck ablassen ist, oft spielt Alkoholkonsum eine Rolle, aber auch das, was sie im Elternhaus zu hören bekamen und bekommen. „Als Sozialistin und Feministin ist man eh eine Zielscheibe“, so Julia Schramm. Aber irgendwann regte sich auch bei ihr der Wunsch nach Widerspruch. Allerdings mit dem Vorsatz, das letzte Wort zu haben, was furchtbar anstrengend ist, so Julia Schramm mit einem Lächeln.

Und so begann sie, ihre „Hater“ mit Freundlichkeit und Herzlichkeit zu überhäufen. So antwortete sie auf Kommentare wie „ich wünsch dir alles Schlechte“ einfach „ich wünsch Dir alles Liebe“. Und das tat sie über einen sehr langen Zeitraum. Und teilweise auch mit Erfolg. Während einige sie blockten, suchten andere den Dialog. Julia Schramm hat den Eindruck, dass oft Menschen solche Kommentare schreiben, weil sie denken, von der Politik nicht gehört zu werden. Und da besteht dringender Handlungsbedarf, sind sich Claudia Sprengel, Julia Schramm und auch Astrid Rabinowitsch einig.

Vor allem braucht das Land mehr Polizeiressourcen für Cyberkriminalität. Denn viele dieser Posts sind durchaus strafrechtlich relevant und zu verfolgen. Auch Claudia Sprengel fragt sich, wo ist die Grenze zwischen einfach nur Angst machen wollen und einer echten Bedrohung. Trozdem sich eine strafrechtliche Verfolgung schwierig gestaltet, denn die wenigsten sind unter ihrem realen Namen in den sozialen Netzwerken angemeldet. Auch Julia Schramm ist der Meinung, dass die Hemmschwelle höher wäre, wenn man nicht mehr anonym bleiben könnte. So würde man die Falschen aus dem Verkehr ziehen, sollte sich ein verfahren durchsetzen, bei dem man sich bei der Anmeldung auf Facebook und Co Ausweisen muss.  So fordert die LINKE in ihrem Wahlprogramm mehr digitale Bildung. Da reichen die derzeitigen Angebote und auch Gesetze bei weitem nicht aus. „Man muss das Europarecht und auch die ganze Gesellschaft umstrukturieren“, so Astrid Rabinowitsch. Neben der juristischen Ausbildung, die geändert werden muss, sollte es auch ein Schulfach zu sozialen Medien geben, meint die Kreistagsabgeordnete. Auf neue Dinge muss einfach anders reagiert werden.

Das Buch kann für 9,99 € zuzügl. 1,50 € Porto unter bestellung@herzstueckverlag.de bestellt werden.

Siehe auch den Beitrag Bad Belzig: “Es muss Liebe sein” – Schramm und Sprengel diskutierten zu Hass im Netz über dieselbe Veranstaltung, dort aus Sicht der Aktuere.

Das ist wohl zum ersten Mal, dass es zwei Berichte zu einem Thema auf Fläming 365 gibt. Aber das lässt sich auf einer Bürgerzeitung kaum vermeiden.

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