Ferienprogramm im Naturparkzentrum Hoher Fläming in Raben: „Boden- das unentdeckte Land“

Raben. Wie viel Boden braucht ein Teller? Und wie viel Ackerfläche steht überhaupt für den Nahrungsanbau zur Verfügung? Diese und viele weitere interessante Informationen gab es beim Ferienprogramm „Boden- das unentdeckte Land“ im Naturparkzentrum in Raben.

Das Loch auf der Wiese zeigt die verschiedenen Bodenschichten.

Dazu hatten Katja Dräger vom Naturparkzentrum und ihre Helfer Bodenproben von Acker, Wald und Wiesen geholt, um gemeinsam mit den Gästen Zusammensetzung und Inhalt zu bestimmen. Und dazu braucht man kein wissenschaftliches Verständnis oder teure Apparaturen, jeder kann es mit ganz einfachen Mittel auch zu Hause machen. Um herauszubekommen, auf welchem Boden wir stehen oder welchen wir im Garten haben, genügt eine einfache Schlämmprobe. Man braucht nur ein Glas mit Deckel und Wasser. Das Glas wird etwa zur Hälfte mit Erde gefüllt, dann mit Wasser aufgefüllt, verschlossen und kräftig geschüttelt. Mit der Zeit setzen sich die einzelnen Bodenbestandteile ab. Abhängig ist das von deren Gewicht. So findet man Sand und Steine letztendlich am Boden des Glases. Schluff und Ton braucht etwas länger und färbt das Wasser dunkel. Humuspartikel und Pflanzenteile schwimmen oben. Nun kann man mit einem Lineal die Dicke der Schichten messen und anhand einer Tabelle errechnen, was es für ein Boden ist.

Aufmerksam betrachtete auch Paul Zander das Glas. Die Schlämmprobe fand er interessant. Er war gemeinsam mit Oma Petra Müller aus Bad Belzig gekommen. Diese hatte ihm schon viel erzählt und nun wollte Paul auch alles selbst sehen und probieren. Am interessantesten fand er jedoch die kleinen Krabbeltiere, die man in der Erde findet. Um zu zeigen, aus wie viel Schichten der Boden besteht, buddelte Katja Dräger mitten auf der Wiese ein Loch. Dort konnte Paul schon recht gut erkennen, wie die einzelnen Schichten gelagert sind und fand auch prompt noch ein Tierchen, welches ihn faszinierte. Schließlich wurde über die beiden Tag auch festgestellt, in welchem Boden sich die meisten Tierchen befinden. „Der Waldboden wird wohl am wenigsten aufweisen, da er nicht so viel bearbeitet wird“, vermutet Katja Dräger.

Unterstützt wurde Katja Dräger bei der Veranstaltung von Theo Kunick aus Raben. Er macht gerade sein freiwilliges Jahr im Naturparkzentrum und findet die Arbeit sehr spannend. Auch wenn es erst mal hieß, das Loch auf der Wiese mit dem Spaten zu vergrößern. „Theo hatte ein echt hartes Jahr wegen Corona“, sagt Katja Dräger. Dadurch konnten viele Veranstaltungen nicht stattfinden. Auch für das kommende Jahr wird wieder jemand für das freiwillige Jahr gesucht.

Durch das Natron entsehen Blasen.

Für Hobbygärtner stellt sich oft die Frage: welchen PH-Wert hat mein Boden, und was kann ich darauf anbauen. Auch das ist ganz einfach festzustellen. Man braucht nur vier Gläser, Rotkohl, Essig, Natron und Wasser. Der Rotkohl wird klein geschnitten und gekocht, bis sich das Wasser im Topf blau färbt. Nun das Wasser auf die Gläser verteilen. In ein Glas kommen einige Tropfen Essig, in ein zweites ein Teelöffel Natronpulver. Eins bleibt pur. In das Vierte Glas kommen zwei Esslöffel der Bodenprobe. Nun jeweils das entsprechende Wasser dazu gießen und schauen, was passiert. Bleibt die Flüssigkeit lila, ist der Boden neutral, wird es rosa oder rot, ist der Boden sauer, wird sie grün, ist der Boden basisch. Gartenerde sollte einen PH-Wert zwischen 5,5 und 7,2 aufweisen. Ist der Boden zu sauer oder zu basisch, können die Pflanzen Nährstoffe schlechter aufnehmen. So kann es trotz ausreichender Nährstoffe im Boden zu Mangelerscheinungen kommen.

Doch nun zurück zur anfänglichen Frage. Auf der Welt stehen den Menschen etwa 1,4 Milliarden Hektar Ackerfläche zur Verfügung. Wäre diese gleich verteilt, hätte jeder etwa 2000 m² pro Jahr, also 5,48 m² pro Tag, auf dem sein Essen angebaut wird. Aber reicht das? Anhand eines Agrarrechners auf https://www.2000m2.eu/de/mym2/ kann man ausrechnen lassen, wie viel Fläche welches Essen verbraucht. Das fand auch Paul wieder sehr interessant und ließ Katja Dräger seine Lieblingsgerichte eingeben. Er lag damit im Rahmen. Aber wenn man bedenkt, dass man mit einem Schnitzel mit Bratkartoffeln dieses Soll schon fast erreicht hat, wird man doch nachdenklich. Das Gericht verbraucht nämlich schon 5 m² der statistisch zur Verfügung stehenden Fläche, man dürfte also an diesem Tag kaum noch etwas zu sich nehmen. „Wir sollten alle unser Essverhalten überdenken“, so Petra Müller. Auch ärgert sie es maßlos, wie viel Lebensmittel in unserer Gesellschaft  weggeworfen werden. Und da sind nicht nur verdorbene, sondern auch solche, die direkt vom Acker gar nicht erst in den Handel kommen, weil sie den Ansprüchen nicht genügen. Dass muss sich zwingend ändern, sind sich Petra Müller und Katja Dräger einig, sonst wird irgendwann der Acker für die Versorgung der Weltbevölkerung nicht mehr ausreichen.

Katja Dräger, Petra Müller, Theo Kunick
v.l.n.r.: Katja Dräger, Petra Müller, Theo Kunick

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