Jeserig/Fläming: Der Kampf als Selbsterfahrung

Jeserig/Fläming. “Karate ist ein Kampfsport, dessen Ursprünge bis etwa zum Jahr 500 n. Chr. zurückreichen. Chinesische Mönche, die keine Waffen tragen durften, entwickelten aus gymnastischen Übungen im Laufe der Zeit eine spezielle Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Diese Kampfkunst galt auch als Weg der Selbstfindung und Selbsterfahrung. Als Sport ist Karate relativ jung.

Erst Anfang des vergangenen Jahrhunderts entstand in Japan aus der traditionellen Kampfkunst ein Kampfsport mit eigenem Regelwerk. Übersetzt bedeutet “Karate-Do” so viel wie “der Weg der leeren Hand”. Im wörtlichen Sinne heißt das: Die Karateka (Karatekämpfer: innen) sind waffenlos, ihre Hand ist leer. Das “Kara” (leer) ist aber auch ein ethischer Anspruch. Danach soll der Karateka sein Inneres von negativen Gedanken und Gefühlen befreien, um bei allem, was ihm begegnet, angemessen handeln zu können. Im Training und im Wettkampf wird dieser hohe ethische Anspruch konkret: Nicht Sieg oder Niederlage sind das eigentliche Ziel, sondern die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung und äußerste Konzentration. Die Achtung vor dem Gegner steht an oberster Stelle.” (Quelle: www.karate.de )

Inzwischen hat sich dieser Kampfsport in die ganze Welt verbreitet. Nicht zuletzt wegen der vielen Hollywoodfilme, die jedoch meist nicht den Sinn dieses Sports wiederspiegeln. Oft sind es junge Menschen, die diese Kampfsportart ausüben möchten, aber sie ist durchaus auch für Ältere geeignet. Das bestätigt Roland Haag-Schönenberg, 6. Dan,  aus Jeserig, der dort ein Karate Dojo betreibt. Er betreut sowohl Kinder ab 6 Jahren als auch Erwachsene jeden Alters.

Der heute 67 jährige stammt aus Stuttgart. „Ich war ein zerbrechliches Kind mit vielen weichen Seiten“, beschreibt er sich. Aber er konnte sich auch durchaus durchsetzen. So erinnert er sich an einen Streit mit einem Schulfreund, der ihn unbedingt verprügeln wollte. Letztendlich schaffte er es, durch seine starke Präsenz, diesen davon zu überzeugen, davon abzulassen.

Eigentlich wollte Roland Haag-Schönenberg zum Ringen gehen, aber sein Vater hatte es verboten. Grund dafür war ein angeblicher Herzfehler, der Arzt sagte: „kein Sport für den Jungen“. Aber Roland Haag-Schönenberg ließ sich davon nicht groß beeindrucken. Nach dem Tod seines Vaters 1965, er war gerademal zehn Jahre alt, meldete er sich sofort zum Ringen beim SG Weilimdorf bei Stuttgart an. Alter von 10-13 Jahren betrieb er Ringen beim SG Weilimdorf. Erst mit knapp 17  Jahren begann er mit dem Karatestudium in Ludwigsburg. Zu dieser Zeit wurde Karate, noch zum Judo Bund gehörig, als Sektion Karate geführt. Während seiner Schlosserlehre in Ludwigsburg fragte ihn ein Bekannter: „Kommst Du mit zum Karate“? Natürlich kam Roland Haag-Schönenberg mit. Und als der Bekannte aufgab, fuhr er alleine zweimal in der Woche mit dem Bus zum Training. Über die Jahre absolvierte er die notwendigen Prüfungen.

Roland Haag-Schönenberg hat ein bewegtes Leben hinter sich. Er studierte Maschinenbau in Aalen. Arbeitete viele Jahre als Dipl.-Ingenieur. Dann begann er in Mainz Medizin zu studieren. An der Uni Mainz lernte er seinen Sensei Ekkehart Schleis, 5. Dan, kennen. Einigen ist er bekannt, weil er das Karate-Dojo-Sochin-Fläming in Jeserig bei der Eröffnung 2013 tatkräftig unterstützte.

Wesentlichen Einfluss auf seine karatesportliche Laufbahn hatte Sensei Albrecht Pflüger (9. Dan) vom TSG Leonberg, vor allem, was die pädagogische und didaktische Vorgehensweise beim Trainingsaufbau betreffen. Des Weiteren sind da noch Shihan Ochi (9. Dan), Sensei Wolfgang Ziebart (6. Dan) und viele andere.

Karate trainierte er an vielen Orten. Stationen waren Ludwigsburg, Stuttgart, Leonberg Bietigheim-Bissingen Aalen, dort leitete den PSV (Postsportverein) Aalen und gründete an der FH-Aalen eine Karategruppe.

Nicht nur Karate, sondern auch Aikido und Judo standen auf seinem Trainingsplan. Roland Haag-Schönenberg arbeitete auch als Trainer. Aber, wer ihn besonders geprägt hat, war sein Sensei Ekkehart Schleis. „Er entsprach mit seiner Philosophie und seinem Können genau dem, was ich wollte“, sagt Roland Haag-Schönenberg:

„Ich wollte treffen ohne zu verletzen.“

Er entwickelte seine Kamptechnik bis zur Perfektion und bestand im August diesen Jahres in Meppen die Prüfung zum 6. Dan.

Zwischen den Prüfungen müssen gewisse Zeiten eingehalten werden. Jährlich nimmt Roland Haag-Schönenberg an einem Trainingscamp (Gasshuku) teil. Das „Gasshuku“ fand in diesem Jahr in Meppen statt. „Das Prüfungsniveau ist sehr hoch“, bestätigt er. Höhere Dangrade kann man jedoch nicht einfach so absolvieren, dazu wird man wegen seiner Leistungen eingeladen.

Roland Haag-Schönenberg kennt nur eine Person aus Deutschland, die den 7. Dan in Japan machen durfte, Sensei Ronald Repp, der im letzten Jahr einen Karatelehrgang in Jeserig zusammen mit ihm gestaltete. Noch höhere Dangrade kann man auf Grund der eigenen Leistungen verliehen bekommen.

Karate Sochin Fläming, Jeserig/Fläming, Roland Haag-SchönenbergVor zehn Jahren zog Roland Haag-Schönenberg mit seiner Frau Regine in das  „Haus am See“ in Jeserig. Als er den Saal sah war ihm sofort klar – hier will ich Karatetraining und anderes anbieten. Zurzeit betreut er sechs Kinder und neun Erwachsene. Ja, es kostet auch etwas. Aber Roland Haag-Schönenberg muss davon nicht leben. So finden sich immer auch Kompromisse, so dass auch Kinder aus einkommensschwachen Familien teilnehmen können. Das Geld wird in die Ausstattung investiert. Mit seinen Kenntnissen hat Roland Haag-Schönenberg auch schon Antiaggressionstraining in Berliner Schulen und in der Wiesenburger Grundschule durchgeführt. Das würde er sofort wieder machen. „Ich mag es, wenn man Kindern Stabilität gibt“, sagt er. Das Training für die Kinder läuft eher spielerisch ab, denn sie sollen auch Spaß haben. Selbstverständlich gibt es auch bei ihm Prüfungen, wer diese ablegen will.

Am Wochenende 24/25. September findet ein Lehrgang statt, an dem alle Prüflinge teilnehmen werden. Und wer nun Interesse an diesem Sport hat, kann jederzeit zu einer Schnupperstunde kommen.

Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.

Karate Sochin Fläming, Jeserig/Fläming, Roland Haag-Schönenberg

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